BIN
solidarisch

Das Corona Virus kennt keine Grenzen – unsere Solidarität auch nicht!

Text vom OAT Bingen

Bilder von Tim Lüddemann

Deshalb möchte wir auch auf Situationen außerhalb von Bingen aufmerksam machen. Denn auch wenn die Corona Pandemie gerade einen großen Teil unseres Lebens füllt und für die meisten eine noch nie dagewesen Herausforderung darstellt, gibt es Menschen die noch viel härter vom Virus getroffen sind als wir. Das liegt vor allem daran, dass unsere Welt bereits vor der Ausbreitung von Corona nicht sonderlich gerecht war. Viel mehr kommen jetzt Ungerechtigkeiten zu Tage, die vorher nicht allzu viel Aufmerksamkeit bekommen haben. Der reiche Westen kann sich vor dem Virus relativ gut schützen, doch auch hier wurde in den letzten Jahren viel im Gesundheitssystem gespart. Blicken wir aber nach Afrika, möchten wir uns gar nicht weiter ausmalen, was die Pandemie dort für eine humanitäre Katastrophe anrichten kann. Aber auch direkt vor unserer Haustür, an der europäischen Außengrenze in Griechenland, sind über 20.000 Menschen in Lagern für Geflüchtete hilflos dem Virus ausgesetzt. Die Verteilung der Geflüchteten hätte aber schon 2015 europäisch gelöst werden können. Corona verschärft also bereits vorhandene Ungerechtigkeiten. Im nachfolgenden finden Sie nur einige wenige weitere Problemfelder, die nicht vergessen werden dürfen:

 

#LeaveNoOneBehind (Geflüchtete in Griechenland)

Besonders schlimm ist die Lage in Griechenland auf der Insel Lesbos, wo das größte Lager „Moria“ für geflüchtete Menschen in Europa ist. Ursprünglich war es für 2.200 Menschen geplant, aktuell leben dort aber um die 20.000. Schon ohne die Corona Pandemie ist die Situation katastrophal: Das Lager ist überfüllt, es gibt zu wenig Toiletten und Duschen, die Menschen wohnen in Zelten dicht an dicht. Es ist bereits die Krätze ausgebrochen und die ärztliche Versorgung ist nicht ausreichend.

Seit dem 23. März sind die geflüchteten Menschen wegen der Corona Pandemie unter Quarantäne gestellt, somit mit dürfen auch NGOs und Ärzt*innen nicht mehr direkt aufs Camp. Außerdem gibt es nicht genügend Wasser und Strom. Geflüchtete erzählen, dass die verordneten Hygiene Maßnahmen überhaupt nicht umsetzbar sind. Täglich müssen sich die Menschen in einer Essensschlange anstellen, um Lebensmittel zu erhalten. Gleichzeitig teilen sich sehr viele Menschen Toiletten und das Wasser wird regelmäßig abgedreht. Wenn hier das Coronavirus ausbricht, dann wird die bereits bestehende humanitäre Katastrophe noch größer.

Deshalb fordern unter anderem „Ärzte ohne Grenzen“ die sofortige Evakuierung des Camp Moira. Doch die europäische Union reagiert auch wie die Jahre zuvor nicht. Deutschland hat beschlossen 50 Kinder aufzunehmen. Doch das ist natürlich nicht genug. Dabei stehen aktuell viele Hotels europaweit leer, da der Tourismus zur Eindämmung des Virus heruntergefahren wurde. Hier könnten die Menschen sicher untergebracht werden und würden hygienische Sanitäranlagen erhalten. So könnten auch sie die Abstandsregeln einhalten und sich vor einer Covid19 Erkrankung schützen.

Unter dem Motto #LeaveNoOneBehind macht die Zivilbevölkerung auf die grausame Situation für Geflüchtete, nicht nur auf Moira, sondern auch auf dem Mittelmeer und in anderen Lagern für Geflüchtete aufmerksam. Auch wir unterstützen das und fordern auch oder besonders in Zeiten von Corona niemand im Stich zu lassen und besonders hilfsbedürftige Menschen zu unterstützen. Es kann  nicht sein, dass es möglich ist 50.000 Erntehelfer*innen einzufliegen, um Spargel und Erdbeeren zu ernten, aber nicht Menschen in Not die von Krankheit und Tod bedroht sind zu helfen. Auch Bingen sollte sich dringend zur Seebrücke Stadt erklären und Geflüchtete Menschen aufnehmen.

Quellen für diesen Kommentar: Arte, Seebrücke, Ärzte ohne Grenzen

Für aktuelle Informationen nutzen Sie die Seite von Seebrücke, eine zivilgesellschaftliche Initiative für Seenotrettung.

 

https://www.aerzte-ohne-grenzen.de/griechenland-evakuierung-kinder-moria

https://www.arte.tv/de/videos/094279-037-A/fluechtlingslager-moria-dem-virus-hilflos-ausgesetzt/

„Hunderte Menschen, die zu Coronavirus-Hochrisikogruppen zählen, sind in den überfüllten Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln noch immer in Gefahr, an Covid-19 zu erkranken“, sagt Florian Westphal, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen in Deutschland

Obdachlose haben kein Zuhause

Vielfach wird gemahnt, dass alle Menschen zu Hause bleiben soll, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Doch was passiert mit den Menschen, die gar kein zu Hause haben? Auch diese Menschen sollen sich vor der Erkrankung schützen können. Leider sind aktuell viele Notunterkünfte geschlossen (Deutschlandfunk). Auch die Tafeln können vielerorts kein Essen ausgeben, einerseits da Supermärkte weniger Essen spenden können aufgrund der Hamsterkäufe, andererseits weil die ehrenamtliche Hilfe durch Kontaktsperren schwieriger ist. Hinzu kommen viele weitere Probleme: Die meisten Menschen halten aus Angst sehr großen Abstand zu Obdachlosen und kaufen nicht einmal mehr die Zeitungen, mit denen sich viele Wohnungslose finanzieren. Generell sind in Deutschland weniger Menschen draußen unterwegs, somit gibt es weniger Pfandflaschen und kaum noch Spenden für Obdachlose. Alle öffentlichen Toiletten haben geschlossen. Wo sollen sich Obdachlose waschen und zur Toilette gehen?

Aber gerade Obdachlose gehören zu den Risikogruppen, die einen besonders schweren Verlauf von Coavid-19 bekommen könnten. Daher fordern wir, dass die Menschen dringend von der Straße geholt werden sollen und zum Beispiel in Hotelzimmern untergebracht werden könnten, die staatlich bezahlt werden. Gleichzeitig machen ab April viele Kälteeinrichtungen zu, die jetzt auch dauerhaft geöffnet bleiben könnten.

Wenn wir das Coronavirus bekämpfen muss an alle Menschen gedacht werden! Was können Sie tun? Spenden Sie weiterhin Ihr Geld an Obdachlose, sie sind nicht ansteckender als andere Menschen auch. Auf folgender Internetseite finden Sie Informationen der Tafeln in Deutschland und was Sie tun können: https://www.tafel.de/

Quellen: Deutschlandfunk, Tafel Deutschland, Spiegel Online

 

 

Solidarisches Europa, statt Nationalstaaterei!

Und was ist mit der Europäischen Union, die ja gerade in Krisenzeiten zusammenhalten sollte und sich so viel besser unterstützen könnte? Schon als es um die Verteilung der Geflüchteten nach 2015 ging, zeigte sich ab, dass die EU nicht in der Lage ist gemeinsam eine Lösung zu finden. Auch gerade jetzt wo es unmittelbar um europäische Mitbewohner*innen geht schaffen die Länder es nicht gemeinsam gegen das Corona Virus zu kämpfen.

Direkt wurden die Grenzen geschlossen und jeder Staat zog sich zurück, um die eigenen Maßnahmen auszuklügeln. Dabei macht das Virus vor Grenzen nicht halt, das kritisiert auch die EU Komissionschefin von der Leyen. Viel zu lange schauten die anderen europäischen Staaten zu, wie Italien alleine mit der dramatischen Situation kämpfte. Mittlerweile werden auch in Deutschland Menschen aus Frankreich und Italien behandelt.

Gleichzeitig kann nicht jedes Land so viel Geld zur Rettung der Wirtschaft und des Sozialsystems ausgeben wie Deutschland. Eigentlich könnte Europa sich auch hier solidarisch zusammenschließen. Aktuell schließt Deutschland die sogenannten „Corona-Bonds“ (Kredite die Europa gemeinsam aufnimmt) aber noch aus. Es wird stattdessen vorgeschlagen, auf den Stabilitätsmechanismus (ESM) zurückzugreifen, wobei einzelne Länder unterstützt werden. Dies hat aber zur Folge, dass die EU in verschuldete und reiche Länder gegliedert wird, sodass die Zinsen zur Rückzahlung für zum Beispiel Italien weitaus höher werden. Der Finanzmarkt merkt sich außerdem diese Aufteilung und auch lange Zeit nach Corona werden die Finanzschwächeren Länder schlechtere Kreditkonditionen bekommen.

All das macht uns traurig, wozu gibt es denn die Europäische Union, wenn sie nicht mal in Krisensituationen solidarisch agiert.

Quellen: Neue Presse, taz

Weiterlesen: https://www.treffpunkteuropa.de/europaische-distanzierung-wahrend-der-corona-krise?lang=fr